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Ozempic und Brustkrebs: Neuer Hinweis auf ein geringeres Risiko

Ärztin erklärt Patientin mit Tablet in heller Praxis medizinische Befunde und Behandlungsverlauf.

Ozempic wurde zum kulturellen Phänomen, noch bevor es in den Fokus der Krebsforschung rückte. Gewichtsabnahme, Blutzuckerkontrolle und zuletzt eine Reihe von Studien zur Herzgesundheit – das waren die Aspekte, die alle verfolgten. Die Geschichte des Medikaments schien bereits geschrieben zu sein.

In drei Jahren Mammographie- und Brustbildgebungsdaten eines großen Krankenhausverbunds in Philadelphia wartete jedoch unbemerkt eine andere Geschichte. Bei Frauen, die Medikamente zur Gewichtsabnahme einnahmen, wurde Brustkrebs deutlich seltener diagnostiziert als erwartet. Danach hatte niemand gezielt gesucht.

Ein Hinweis, der weiterverfolgt werden sollte

Elizabeth McDonald, M.D., Ph.D., Professorin für Radiologie an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania (Penn Medicine), beurteilt beruflich Brustaufnahmen.

Sie und ihr Team stellten fest, dass Frauen, die GLP-1-Medikamente einnahmen – eine Arzneimittelklasse gegen Übergewicht und Diabetes –, wesentlich seltener als erwartet mit Brustkrebs diagnostiziert wurden.

Das Ausmaß dieses Unterschieds überraschte die Forschenden. In der gesamten Gruppe hatten Frauen unter diesen Arzneimitteln – darunter Ozempic und verwandte Präparate – etwa 35 % geringere Chancen auf eine neue Diagnose.

Auch nach einem sorgfältigen Abgleich lag der Wert noch bei nahezu 30 Prozent. Ein echtes Signal in Datensätzen, die nie zu diesem Zweck zusammengestellt worden waren.

McDonald betont jedoch vorsichtig, was sich aus diesen Zahlen ableiten lässt – und was nicht. Die Untersuchung war beobachtend angelegt; sie kann daher einen Zusammenhang aufzeigen, aber nicht beweisen, dass die Medikamente ihn verursacht haben.

Dennoch erweitert sie die kleine, aber wachsende Evidenzbasis dafür, dass diese Medikamente weit mehr als nur den Appetit beeinflussen.

Niedrigere Brustkrebsraten unter GLP-1-Medikamenten

Die Daten stammten von mehr als 111.000 Frauen im Alter von 45 bis 80 Jahren. Sie alle hatten Übergewicht und waren zwischen Anfang 2022 und Mitte 2025 innerhalb eines großen Krankenhausverbunds untersucht worden. Ihr Medianalter lag bei etwa 61 Jahren.

Ungefähr jede siebte Frau hatte Rezepte für die Medikamente zur Gewichtsabnahme eingelöst. Für die übrigen gab es keinen Hinweis auf deren Einnahme, sodass dem Team eine große Vergleichsgruppe von Frauen zur Verfügung stand, die auf dem Papier ansonsten ähnlich waren.

Um naheliegende Erklärungen auszuschließen, bildeten die Forschenden eine zweite, enger abgegrenzte Gruppe. Jede Medikamentennutzerin wurde im Verhältnis eins zu eins einer Nichtnutzerin zugeordnet, passend nach Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Körpergewicht, Brustdichte und Diabetesstatus. Die niedrigere Krebsrate zeigte sich in beiden Gruppen.

Auf der Suche nach einer Ursache

Ein Teil der Erklärung dürfte fast sicher im Körpergewicht selbst liegen. Übergewicht nach den Wechseljahren zählt zu den am besten belegten Risikofaktoren für die Erkrankung, und Gewichtsverlust wird in der Forschung seit Langem mit geringeren Risiken in Verbindung gebracht.

McDonald vermutet, dass die Zusammenhänge tiefer reichen. Den Medikamenten wird zugeschrieben, niedriggradige Entzündungen abzuschwächen, von denen Ärztinnen und Ärzte seit Langem annehmen, dass sie das Tumorwachstum fördern. Zudem könnten sie den Stoffwechsel so beeinflussen, dass Gewebe für Krebs weniger günstige Bedingungen bietet.

Eine weitere, weniger offensichtliche Möglichkeit betrifft die Steuerung, mit der Gene an- und abgeschaltet werden – eine Regulationsebene, die diese Medikamente offenbar ebenfalls berühren.

Welche dieser Kräfte den größten Einfluss hat, ist nicht bekannt. Die Forschenden weisen offen darauf hin, dass ihre Daten einen Zusammenhang und keine Ursache belegen. Vorerst bleibt es eine Assoziation ohne eindeutig identifizierten Auslöser.

Begrenzte Möglichkeiten zur Prävention

Trotz der großen Aufmerksamkeit für Brustkrebs sind die Möglichkeiten zur Vorbeugung erstaunlich begrenzt.

Die meisten Frauen verlassen sich auf Mammographien und MRT-Untersuchungen. Diese können Tumoren früh erkennen, verhindern ihre Entstehung aber nicht. Es handelt sich um Früherkennung, nicht um Prävention.

Frauen mit erblichen Mutationen, die ihr Risiko stark erhöhen, entscheiden sich manchmal für eine Operation und lassen gesundes Gewebe entfernen, bevor eine Erkrankung entsteht.

Das Medikament Tamoxifen kann das Risiko bei Hochrisikopatientinnen deutlich senken. Dennoch verzichten viele anspruchsberechtigte Frauen wegen der Nebenwirkungen darauf, wie eine Übersicht zu diesem Problem darlegt.

Gerade diese Lücke macht den neuen Befund interessant. Die Medikamente zur Gewichtsabnahme befinden sich bereits in den Hausapotheken von mehreren zehn Millionen Menschen, die sie nie als Mittel gegen Krebs betrachtet haben. Dadurch sind sie besonders praktikabel für weitere Untersuchungen.

Wie es weitergeht

Ein Zusammenhang in bereits vorliegenden Daten ist ein Ausgangspunkt, kein abschließendes Urteil. McDonald und ihre Mitarbeitenden bereiten eine klinische Studie an mehreren Standorten vor, um zu klären, ob die Medikamente tatsächlich schützen. Eingeschlossen werden sollen Frauen mit hohem Risiko, darunter auch einige, die bereits einmal an der Erkrankung litten.

Die Studie könnte auf einen internationalen Pool von mehr als 108.000 Frauen zurückgreifen, die bereits an einem großen Screening-Programm teilnehmen.

Damit steht eine bereits bestehende Gruppe mit gut dokumentiertem Risiko bereit. Die Finanzierung für den Start wird noch zusammengestellt.

Diese erste Auswertung ließ wichtige Fragen offen. Sie konnte nicht feststellen, welches konkrete Medikament eine Frau eingenommen hatte, wie lange sie es nutzte, welches erbliche Risiko vorlag oder welche Tumorart auftrat – alles Fragen, denen das Team in späteren Arbeiten nachgehen will.

Was sich ändern könnte

Vor dieser Analyse hatte niemand in einer Gruppe dieser Größe gezeigt, dass Frauen unter Medikamenten zur Gewichtsabnahme seltener mit Brustkrebs diagnostiziert wurden als vergleichbare Frauen ohne diese Medikamente. Genau dieser Baustein hatte dem Forschungsfeld bislang gefehlt.

Sollte eine umfassende Studie den Befund bestätigen, würden die Folgen weit über eine einzelne Klinik hinausreichen. Ärztinnen und Ärzte könnten eine Präventionsmöglichkeit erhalten, die bereits von Millionen Menschen genutzt und vertragen wird. Für ein Gebiet, dem es an Wegen zur Verhinderung von Brustkrebs mangelt, könnte sich ein seit Jahren fehlender Weg eröffnen.

McDonald konzentriert sich vorerst auf ein Ziel: „Letztlich wollen wir bessere Möglichkeiten finden, Brustkrebs zu verhindern“, sagte sie. Der Hinweis ist nun endlich den Datensätzen entnommen und offen sichtbar.

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