Nach einem Lauf blickst du auf deine Smartwatch. Dein Fitnesswert ist gesunken. Du hast angeblich kaum Kalorien verbrannt. Dein Erholungswert ist sehr niedrig. Die Uhr rät dir, in den nächsten 72 Stunden keinen Sport zu treiben.
Das Schlimmste daran? Der gesamte Lauf hat sich großartig angefühlt.
Warum behauptet deine Uhr also das Gegenteil?
Der Grund ist letztlich, dass Smartwatches und andere Fitness-Tracker nicht immer präzise messen.
Smartwatches beeinflussen, wie du trainierst
Tragbare Fitness-Technologie wie Smartwatches zählt seit fast einem Jahrzehnt zu den wichtigsten Fitnesstrends. Weltweit nutzen Millionen Menschen diese Geräte jeden Tag.
Sie prägen, wie Menschen über Gesundheit und Bewegung denken. Sie liefern beispielsweise Angaben dazu, wie viele Kalorien du verbrannt hast, wie fit du bist, wie gut du dich nach dem Training erholt hast und ob du wieder belastbar für Sport bist.
Die meisten dieser Werte misst deine Smartwatch jedoch nicht unmittelbar. Viele gängige Kennzahlen sind vielmehr Schätzwerte. Anders gesagt: Sie sind nicht so genau, wie du vielleicht annimmst.
1. Verbrannte Kalorien
Die Kalorienaufzeichnung gehört zu den beliebtesten Funktionen von Smartwatches. Ihre Genauigkeit lässt allerdings deutlich zu wünschen übrig.
Wearables können den Energieverbrauch – häufig als verbrannte Kalorien angegeben – um mehr als 20 % zu niedrig oder zu hoch einschätzen. Zudem unterscheiden sich diese Fehler je nach Aktivität. Krafttraining, Radfahren und hochintensives Intervalltraining können beispielsweise noch größere Abweichungen verursachen.
Das ist relevant, weil viele Menschen diese Angaben dafür nutzen, um zu bestimmen, wie viel sie essen sollten.
Überschätzt deine Uhr etwa den Kalorienverbrauch, glaubst du möglicherweise, mehr essen zu müssen, als dein Körper tatsächlich benötigt. Das könnte zu einer Gewichtszunahme führen. Unterschätzt sie den Verbrauch dagegen, isst du eventuell zu wenig, was sich negativ auf deine Trainingsleistung auswirken kann.
2. Schrittzahl
Die Schrittzahl ist ein guter Indikator für die allgemeine körperliche Aktivität, doch Wearables erfassen sie nicht fehlerfrei.
Unter normalen Trainingsbedingungen können Smartwatches Schritte um etwa 10 % zu niedrig zählen. Tätigkeiten wie das Schieben eines Kinderwagens, das Tragen von Gewichten oder Gehen mit eingeschränkter Armbewegung machen die Schrittzählung vermutlich ungenauer, weil Smartwatches Armbewegungen benötigen, um Schritte zu registrieren.
Für die meisten Menschen ist das kein großes Problem, und Schrittzahlen bleiben nützlich, um das allgemeine Aktivitätsniveau zu verfolgen. Sie sollten aber eher als Orientierung denn als exakte Messgröße betrachtet werden.
3. Herzfrequenz
Smartwatches schätzen deine Herzfrequenz mithilfe von Sensoren, die Veränderungen des Blutflusses in den Venen deines Handgelenks erfassen.
In Ruhe oder bei niedriger Intensität funktioniert diese Methode zuverlässig, doch mit steigender Belastungsintensität nimmt ihre Genauigkeit ab.
Auch Armbewegungen, Schweiß, der Hautton und die Festigkeit, mit der du die Uhr trägst, können den ausgegebenen Herzfrequenzwert beeinflussen. Deshalb kann die Messgenauigkeit von Person zu Person unterschiedlich sein.
Das kann für Menschen problematisch sein, die ihr Training anhand von Herzfrequenzzonen steuern: Schon kleine Fehler können dazu führen, dass sie mit der falschen Intensität trainieren.
4. Schlafaufzeichnung
Fast jede Smartwatch auf dem Markt liefert einen „Schlafwert“ und unterteilt die Nacht in Phasen mit leichtem Schlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf.
Als Goldstandard der Schlafmessung gilt die Polysomnografie. Dabei handelt es sich um einen Labortest, der die Gehirnaktivität aufzeichnet. Smartwatches schätzen den Schlaf dagegen anhand von Bewegung und Herzfrequenz.
Dadurch können sie recht gut erkennen, ob du schläfst oder wach bist. Bei der Bestimmung einzelner Schlafphasen sind sie jedoch deutlich ungenauer.
Wenn deine Uhr also angibt, du hättest „schlechten Tiefschlaf“ gehabt, muss das nicht zutreffen.
5. Erholungswerte
Die meisten Smartwatches erfassen die Herzfrequenzvariabilität und verwenden diesen Wert gemeinsam mit dem Schlafwert, um einen „Bereitschafts-“ oder „Erholungswert“ zu berechnen.
Die Herzfrequenzvariabilität zeigt, wie dein Körper auf Stress reagiert. Im Labor wird sie mit einem Elektrokardiogramm gemessen. Smartwatches schätzen sie hingegen über Sensoren am Handgelenk, die wesentlich anfälliger für Messfehler sind.
Die meisten Erholungskennzahlen beruhen damit auf zwei ungenauen Messwerten: Herzfrequenzvariabilität und Schlafqualität. Das führt zu einem Wert, der deine tatsächliche Erholung möglicherweise nicht aussagekräftig widerspiegelt.
Wenn deine Uhr dir folglich mangelnde Erholung bescheinigt, lässt du ein Training vielleicht aus – obwohl du dich gut fühlst und tatsächlich bereit dafür bist.
6. VO₂max
Die meisten Geräte schätzen deine VO₂max, die deine maximale Fitness beschreibt. Gemeint ist die größte Sauerstoffmenge, die dein Körper während des Trainings nutzen kann.
Die beste Methode zur Messung der VO₂max besteht darin, eine Maske zu tragen, die analysiert, wie viel Sauerstoff du ein- und ausatmest. So lässt sich bestimmen, wie viel Sauerstoff dein Körper zur Energiegewinnung verwendet.
Deine Uhr kann den Sauerstoffverbrauch jedoch nicht messen. Sie schätzt ihn anhand deiner Herzfrequenz und Bewegung.
Smartwatches neigen allerdings dazu, die VO₂max bei weniger aktiven Menschen zu überschätzen und bei fitteren Menschen zu unterschätzen.
Der auf deiner Uhr angezeigte Wert muss daher nicht deiner tatsächlichen Fitness entsprechen.
Was solltest du tun?
Auch wenn die Daten deiner Smartwatch fehleranfällig sind, sind sie nicht völlig wertlos. Die Geräte können weiterhin helfen, allgemeine Entwicklungen über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Täglichen Schwankungen oder einzelnen konkreten Zahlen solltest du jedoch keine große Bedeutung beimessen.
Ebenso wichtig ist es, darauf zu achten, wie du dich fühlst, wie du leistungsfähig bist und wie du dich erholst. Das liefert dir wahrscheinlich sogar mehr Erkenntnisse als die Angaben deiner Smartwatch.
Hunter Bennett, Dozent für Trainingswissenschaft, Universität Adelaide
Dieser Artikel wurde von The Conversation unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut veröffentlicht. Lies den Originalartikel.
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