Zum Inhalt springen

Vier Tipps für ein gesundes Herz bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Frau im Park mit Sportkleidung überprüft Puls und Smartwatch vor dem Training am Morgen.

Das menschliche Herz ist ein bemerkenswertes Organ. Es ist etwa faustgroß und leistet täglich enorme Arbeit: Es pumpt mehr als 7.500 Liter Blut, versorgt jeden Bereich des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen, transportiert Abfallstoffe ab, reguliert die Körperkerntemperatur und trägt zur Gesundheit von Organen und Geweben bei.

Doch das Herz ist anfällig. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit weiterhin die häufigste Todesursache und für fast ein Drittel aller Todesfälle verantwortlich.

In Afrika entfallen 38 % aller Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Südafrika verursacht diese Erkrankungsgruppe nahezu jeden sechsten Todesfall – das entspricht ungefähr 215 Todesfällen pro Tag.

Das verdeutlicht die erhebliche Bedeutung für die öffentliche Gesundheit.

Die Herzgesundheit wird unter anderem durch Bewegungsmangel, eine ungesunde Ernährung und chronischen Stress beeinflusst.

Hier kommt die Biokinetik entscheidend ins Spiel. Sie wendet Prinzipien der Bewegungswissenschaft in der rehabilitativen und präventiven Gesundheitsversorgung an. Biokinetikerinnen und Biokinetiker führen umfassende Untersuchungen durch, um individuelle, evidenzbasierte Trainingsprogramme zu entwickeln. Ziel ist es, die funktionelle Leistungsfähigkeit zu optimieren und sowohl die muskuloskelettale Kraft als auch die allgemeine physiologische Gesundheit zu verbessern.

Für Fachkräfte der Biokinetik ist Bewegung Medizin. Gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten entwickeln sie individuell angepasste Trainingsprotokolle, die sicher und klinisch angemessen sind.

Wie profitiert Ihr Herz davon?

Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung den Blutdruck senken, die Cholesterinwerte verbessern, den Blutzucker regulieren und die Leistungsfähigkeit des Herzens steigern kann. Als registrierte Biokinetikerin und Wissenschaftlerin konzentriere ich mich darauf, chronische Erkrankungen – einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen – durch Bewegung zu behandeln und zu rehabilitieren.

Ich habe Fachbeiträge über Ernährungswissen, kardiale Rehabilitation, Lebensqualität sowie das kardiovaskuläre Risiko bei Patientinnen und Patienten nach einer koronaren Bypass-Operation veröffentlicht.

Die zunehmende Verbreitung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist größtenteils auf Bewegungsmangel, eine ungünstige Ernährung und Stress zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund empfehle ich als Biokinetikerin vier Maßnahmen, die Ihrem Herzen helfen können.

1. Planen Sie gezieltes Training ein – nicht nur Bewegung im Alltag

Auch wenn Alltagsbewegung wie Spaziergänge im Einkaufszentrum oder Treppensteigen hilfreich ist, bietet strukturiertes Training größere Vorteile für das Herz-Kreislauf-System. Die aktuellen Empfehlungen sehen mindestens 150 Minuten aerobe Bewegung mit moderater Intensität pro Woche vor. Dazu zählen etwa zügiges Gehen, Radfahren oder Tanzen.

Falls Zeitmangel ein Hindernis ist, können Sie Ihr strukturiertes Training in kürzere Einheiten aufteilen. Denkbar sind beispielsweise drei Einheiten täglich mit jeweils 10 Minuten Dauer.

Zusätzlich sollten an mindestens zwei Tagen pro Woche muskelkräftigende Übungen wie Kniebeugen und Liegestütze an der Wand durchgeführt werden. Sie fördern die Stoffwechselgesundheit und senken das Herz-Kreislauf-Risiko.

Eine Biokinetikerin oder ein Biokinetiker kann Ihr individuelles Risikoprofil beurteilen und personalisierte Bewegungsmaßnahmen verordnen. Diese können die kardiorespiratorische Fitness sicher verbessern, den Blutdruck verringern und die Erholung der Herzfrequenz unterstützen.

2. Achten Sie frühzeitig auf Symptome und kennen Sie Ihre wichtigen Werte

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich unbemerkt. Erhöhte Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte bleiben häufig unerkannt, bis ein schwerwiegendes Ereignis wie ein Herzinfarkt eintritt.

Untersuchungen zufolge hat eine von drei erwachsenen Personen in Südafrika Bluthochdruck. Viele Betroffene sind jedoch nicht diagnostiziert oder werden nicht behandelt.

Idealerweise sollte sich jede Person ab 35 Jahren – insbesondere bei einer familiären Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – jährlich gesundheitlich untersuchen lassen. Die Ergebnisse sollten als Grundlage für Anpassungen des Lebensstils dienen.

3. Unterbrechen Sie den Sitzkreislauf – bewegen, kräftigen, dehnen

Das moderne Leben begünstigt langes Sitzen am Schreibtisch, im Auto und vor Bildschirmen. Langes sitzendes Verhalten steht unabhängig von anderen Faktoren mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit jeglicher Ursache in Zusammenhang.

Stehpulte und regelmäßige Bewegungspausen sind nützlich. Ebenso wichtig sind jedoch Körperhaltung, Gelenkbeweglichkeit und Muskelfunktion. Regelmäßiges Dehnen, Krafttraining und Gleichgewichtsübungen fördern die muskuloskelettale Gesundheit und verringern das Risiko von Verletzungen oder Komplikationen durch Bewegungsmangel.

4. Stress mit jedem Schritt abbauen

Chronischer Stress fördert Entzündungen, Bluthochdruck und ungesunde Verhaltensweisen. All dies erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Meditation und Beratung sind zwar wichtige Hilfsmittel, doch Bewegung wirkt ebenfalls stark regulierend auf Stress. Sie fördert die Ausschüttung von Endorphinen und verbessert Stimmung, Schlaf und emotionale Widerstandsfähigkeit. Endorphine sind natürliche, im Körper gebildete Stoffe, die Schmerzen lindern und Gefühle von Glück, Freude und Zufriedenheit fördern, wodurch das Wohlbefinden steigt.

Die Forschung unterstützt den Einsatz von Ausdauer- und Krafttraining, um depressive Symptome und Ängste zu verringern sowie das psychische Wohlbefinden zu stärken. Als Biokinetikerin erlebe ich häufig, wie regelmäßige Bewegung Klientinnen und Klienten dabei hilft, wieder ein Gefühl der Kontrolle über ihren Körper und ihre emotionale Gesundheit zu gewinnen.

Die wichtigsten Punkte

Das Herz zu schützen bedeutet nicht nur, Krankheiten zu behandeln, sondern ihnen vorzubeugen. Warten Sie nicht erst auf ein kardiales Ereignis, bevor Sie handeln. Lassen Sie Ihre Risiken einschätzen, übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Gesundheit und setzen Sie bewegungsbasierte Strategien um, die Lebenserwartung und Lebensqualität verbessern.

Angesichts der steigenden Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibt die Botschaft eindeutig: Bewegen Sie sich, kennen Sie Ihr Risiko, bewältigen Sie Stress und holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Ihr Herz wird es Ihnen danken.

Lynn Smith, leitende Dozentin für Biokinetik und Leiterin des Fachbereichs Sport- und Bewegungswissenschaften, Universität Johannesburg

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut von The Conversation veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen