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Übergewicht und Adipositas bei Haustieren erfolgreich behandeln

Junger Mann füttert Hund und Katze mit Futter aus einem Spielzeugbehälter im Wohnzimmer.

Übergewicht und Adipositas zählen bei Hunden und Katzen zu den häufigsten Problemen in der tierärztlichen Praxis.

Trotzdem scheitern Abnehmprogramme für Haustiere oft, und viele Halterinnen und Halter brechen sie vorzeitig ab. In einer Studie nahm mehr als die Hälfte der teilnehmenden Hunde sogar zu.

In einer neuen, in der Fachzeitschrift Animals veröffentlichten Studie vertreten wir die Auffassung, dass Gewichtsmanagement bei Haustieren häufig misslingt, weil es zu eng betrachtet wird – nämlich als Ernährungsproblem, das sich allein durch kleinere Futterportionen lösen lasse.

Die Forschung spricht jedoch dafür, dass beim Gewichtsmanagement von Haustieren auch das Verhalten der Tiere berücksichtigt werden muss. Dabei spielen die Beziehungen zwischen Mensch und Tier eine entscheidende Rolle.

Woran erkenne ich, ob mein Haustier übergewichtig oder adipös ist?

Die Beurteilung der Körperkondition ist die Methode, mit der Tierärztinnen und Tierärzte am häufigsten einschätzen, ob ein Tier untergewichtig, idealgewichtig oder übergewichtig ist.

Die Global Pet Obesity Initiative verwendet eine Skala von 1–9, wobei ein Körperkonditionswert von 5 dem Idealgewicht entspricht.

Jede Stufe auf der Skala von 1–9 steht für einen Gewichtsunterschied von 10 %. Ein Tier mit einem Körperkonditionswert von 6 von 9 ist beispielsweise 10 % übergewichtig; bei 7 von 9 liegt das Übergewicht bei 20 %.

Als Adipositas gilt ein Körperkonditionswert von 8 von 9 (30 % Übergewicht) oder höher.

Wie verbreitet sind Übergewicht und Adipositas bei Haustieren?

Weltweit ist etwa die Hälfte aller als Haustiere gehaltenen Hunde und Katzen übergewichtig oder adipös. Besonders häufig betroffen sind Tiere mittleren Alters.

Die größte Studie, die in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde und fast 5 Millionen Hunde sowie mehr als 1 Million Katzen umfasste, stellte bei erwachsenen Hunden 50 % Übergewicht und 13 % Adipositas fest. Bei Katzen lagen die entsprechenden Anteile bei 45 % beziehungsweise 22 %.

Auch aus Australien, Neuseeland, Europa und China werden hohe Raten von Übergewicht und Adipositas berichtet.

Übergewicht und Adipositas treten häufiger bei Tieren auf, die stark durch Futter motiviert sind, bei geringerer körperlicher Aktivität – darunter Wohnungskatzen – sowie in einigen Studien bei kastrierten Tieren. Bestimmte Rassen, etwa Labrador Retriever, haben zudem eine genetische Veranlagung für Adipositas.

Auch das Aktivitätsniveau und der Lebensstil der Halterinnen und Halter sowie die Art ihrer Bindung zum Haustier beeinflussen dessen Risiko für Adipositas. Bei geliebten Tieren leiden viele Menschen unter „Gewichtsblindheit“ – sie erkennen nicht einmal, dass ihr Haustier übergewichtig ist.

Warum sind übergewichtige und adipöse Haustiere ein Problem?

Wie beim Menschen gehen Übergewicht und Adipositas bei Haustieren mit einem höheren Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Herzkrankheiten, Hauterkrankungen und Krebs einher.

Zu viel Gewicht verschlimmert Leiden wie Arthrose und erhöht das Risiko eines Hitzschlags. Bei adipösen Hunden und Katzen verkürzt sich die Lebenserwartung.

Übermäßiges Körpergewicht kann Tiere außerdem daran hindern, Verhaltensweisen wie Bewegung, Spielen sowie Interaktionen mit anderen Tieren und Menschen auszuleben. Die World Small Animal Veterinary Association bezeichnet Adipositas als das weltweit wichtigste Tierschutzproblem.

Weshalb scheitert das herkömmliche Gewichtsmanagement bei Haustieren?

Der übliche Weg, einem Haustier beim Abnehmen zu helfen, besteht aus Kalorienreduktion, mehr Bewegung und regelmäßigem Wiegen. Das klingt sehr einfach – funktioniert aber oft nicht.

Erhalten Haustiere weniger Futter, zeigen sie Hunger und verstärken ihr Futter-Suchverhalten, was bei ihren Halterinnen und Haltern Schuldgefühle auslösen kann. Sie fressen die kleineren Portionen rasch auf und nutzen die übrige Zeit, um nach weiterem Futter zu suchen oder es einzufordern.

Tiere, die an Leckerbissen oder Reste vom Familientisch gewöhnt sind, können dagegen protestieren, von vertrauten Abläufen ausgeschlossen zu werden. Dieses Verhalten lässt sich nur schwer ignorieren, sodass viele Halterinnen und Halter nachgeben und Leckerbissen anbieten.

Eine Kalorienreduktion verändert den Stoffwechsel und kann anfangs sogar eine Gewichtszunahme begünstigen. Fehlende Fortschritte wirken entmutigend. Manche Hunde und Katzen haben in tierärztlichen Praxen Angst, weshalb regelmäßige Kontrollwiegungen von den Halterinnen und Haltern als zu belastend empfunden werden.

All diese Faktoren können dazu führen, dass Halterinnen und Halter – ebenso wie die Tiere – den Abnehmplan nicht weiterverfolgen.

So gelingt das Abnehmen bei Ihrem Haustier

1. Mit verlässlichen Informationen einen Plan für das Gewichtsmanagement erstellen

Alle Haustiere sollten regelmäßig gewogen und anhand ihrer Körperkondition beurteilt werden. Halterinnen und Halter können dafür zu Hause Bewertungsbögen zur Körperkondition für Hunde und Katzen nutzen.

Ängstliche Tiere, die sich in der Tierarztpraxis nicht wiegen lassen möchten, können auf einer Waage zu Hause gewogen werden. Wichtig ist außerdem, genau festzuhalten, was Ihr Haustier frisst – einschließlich Leckerbissen und aufgesammelter Nahrung – und diese Angaben mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt zu teilen.

Eine vollständige Fütterungshistorie erleichtert die Planung einer Ernährung, die zu den Vorlieben Ihres Haustiers passt. Kalorienreiche Lebensmittel könnten zum Beispiel durch kalorienärmere Alternativen ersetzt werden.

2. Die Ernährung sollte kalorienarm und zugleich sättigend sein

Diäten zum Abnehmen müssen den Nährstoffbedarf vollständig decken. Am besten eignen sich Futterpläne mit weniger Kalorien, nach deren Mahlzeiten sich die Tiere dennoch satt fühlen.

Kalorienarme Leckerbissen können in die tägliche Futterration eingerechnet werden, damit die Tiere nicht darauf verzichten müssen.

3. Möglichkeiten zum Jagen, Suchen und Erarbeiten von Futter schaffen

Wird die Tagesration auf mehrere kleinere Mahlzeiten verteilt, können zusätzliche Kalorien verbraucht werden und die Fresszeit verlängert sich.

Wenn Tiere ihr Futter „jagen“ dürfen – etwa über Futterspiele, verstreutes Futter oder vorbereitete „Schatzsuchen“ –, können sie natürliche Verhaltensweisen ausleben.

Tiere verbrauchen möglicherweise mehr Kalorien und erleben mehr Freude an Nahrung, die sie kauen können. Außerdem verbringen sie eventuell weniger Zeit damit, ihre Halterinnen und Halter nach Futter zu „fragen“.

4. Auf Betteln vorbereitet sein

Tiere, die Essensreste vom Tisch erhalten haben, werden ihr aufmerksamkeitsheischendes Verhalten verstärken, um wieder belohnt zu werden. Solchen Kunststücken zu widerstehen, kann schwerfallen. Betteln jedoch mit einem Futterhappen zu belohnen, bestärkt Haustiere lediglich darin, sich noch stärker zu bemühen.

Versuchen Sie stattdessen, dem zuvorzukommen: Bieten Sie eine lohnende Ersatzbeschäftigung an, etwa einem Hund auf seinem Platz ein Kauspielzeug, während Sie Ihre Mahlzeit in Ruhe einnehmen.

Auch Aktivitäten ohne Futterbezug können passende Ablenkung schaffen, darunter Sinnesgärten und Buddelgruben, Klettermöglichkeiten oder interaktives Spielzeug.

Beim Abnehmen von Haustieren geht es darum, ihnen mehr Jahre mit guter Lebensqualität zu ermöglichen. Mit den richtigen Hilfsmitteln – und nicht nur durch Kalorienzählen – können wir unsere Haustiere glücklich und gesund halten.

Anne Quain, Dozentin, Sydney School of Veterinary Science, University of Sydney, und Rimini Quinn, Doktorandin, School of Veterinary Science, University of Sydney

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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