AP – Bei einer Fahrt mit 322 km/h ist es entscheidend, den Blick auf der Straße zu behalten. Ein kräftiger Nacken unterstützt dabei.
Nackentraining in der Formel 1
Übungen zur Stärkung des Nackens gehören fest zur schnelllebigen Welt des Formel-1-Rennsports. Viele Fahrer nehmen für den Grand Prix, eine globale Meisterschaft über das gesamte Jahr, spezielle Trainingsausrüstung für diesen Zweck mit.
Training mit gewichteten Gurtsystemen oder intensive Dehnübungen mit dem eigenen Körpergewicht stabilisieren den Kopf. So können sich die Fahrer in Hochgeschwindigkeitskurven auf die Strecke konzentrieren, obwohl Kräfte bis zum Fünffachen der Erdanziehung ihre Körper seitlich hin und her schleudern.
Erwachsene mit „Tech-Nacken“ sind nicht unter solch extremen Bedingungen tätig. Dennoch lenken die Trainingsmethoden professioneller Rennfahrer die Aufmerksamkeit auf eine Muskelgruppe, die häufig vernachlässigt wird.
Laut Dr. Neeru Jayanthi, einem in Atlanta ansässigen Sportmediziner, der Sportler jeden Alters aus unterschiedlichen Disziplinen betreut, können kleine Veränderungen wie eine bewusstere Haltung bei der Bildschirmnutzung und gezielte Nackenübungen im Fitnessprogramm Beschwerden lindern.
„Braucht ein normaler Mensch einen Nacken wie ein F1-Fahrer? Wahrscheinlich nicht“, sagte Antti Kontsas, ein erfahrener Performance-Coach, der mit dem viermaligen F1-Weltmeister Sebastian Vettel und weiteren Stars des Sports gearbeitet hat.
Dennoch seien „die gesunden Grundlagen für einen normalen Menschen und für den Fahrer dieselben. Der Einstieg wäre genau gleich“, erklärte Kontsas gegenüber The Associated Press.
Wie jede andere Fitnessaktivität sollte auch Nackentraining sicher ausgeführt werden und die individuellen körperlichen Bedürfnisse sowie Einschränkungen berücksichtigen.
Bei Unsicherheit sollte man sich von einem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachkraft beraten lassen – insbesondere nach Nackenverletzungen oder wenn die Ursache der Nackenschmerzen unklar ist.
Wenn man die eigenen Grenzen kenne, gehe es „einfach darum, die Belastung zu verstehen und sie schrittweise zu steigern. Das ist der sichere Weg, Fortschritte zu machen“, sagt Konstas.
Kräftiger Nacken als Basis für Konzentration
Die Zeiten, in denen F1-Fahrer vor einem Grand Prix rauchten und tranken, sind längst vorbei. Schon in den 1990er-Jahren war Fitness ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Michael Schumacher: Der siebenmalige Weltmeister aus Deutschland legte großen Wert auf Ausdauer- und Krafttraining.
Denn Erschöpfung führt zu Fehlern.
Ein wesentlicher Bestandteil von Kontsas’ Trainingsprogrammen ist, beim Training von Rücken und Rumpf den Nacken – auch Halswirbelsäule genannt – nicht zu übersehen.
Dabei können Übungen mit dem eigenen Körpergewicht helfen, etwa den Kopf in einer seitlichen Plank-Position auf Höhe der Schultern zu halten. Eine weitere einfache Übung lässt sich im Liegen durchführen.
„Am einfachsten ist es, auf einer Bank auf dem Rücken zu liegen, den Kopf überhängen zu lassen und ihn dann in einer vollständig waagerechten Linie zu halten“, sagte Kontsas.
„Man hält den Kopf still und schaut, wie lange das gelingt. Das ist eine gute Trainingsmethode, insbesondere für die vordere Muskulatur.“
Um die Übung anspruchsvoller zu gestalten, verwenden Fahrer üblicherweise ein Widerstandsband oder ein gewichtetes, um den Kopf geschnalltes Gurtsystem, um ihre Nackenmuskelatur zu trainieren.
Übungen gegen Computer-Nacken
Wer beruflich viel Zeit am Schreibtisch verbringt, kann die Nackengesundheit bereits mit einer einfachen Erinnerung verbessern: auf die eigene Haltung achten und leichte Dehnübungen machen, etwa das Kinn nach hinten ziehen, um die nach vorn zum Bildschirm geneigte Haltung auszugleichen.
„Computer-Nacken“, eine moderne Beschwerde, die Schmerzen im Nacken, in den Schultern und im Rücken verursacht, entsteht laut Jayanthi, wenn „der Kopf beim Arbeiten in unterschiedlichen Positionen nicht über der Wirbelsäule sitzt“.
„Man sitzt zwei, drei, vier Stunden vor dem Computer und merkt nie, dass der Kopf die ganze Zeit in der falschen Position war“, sagte er.
„Wir können also wieder darauf achten, unseren Nacken richtig auszurichten, Kinn-zurück-Übungen machen und isometrisch trainieren, um den Kopf korrekt über der Wirbelsäule zu positionieren. Erinnern Sie sich einfach alle 30 bis 60 Minuten daran.“
Das Training gegen die Schmerzen eines „Computer-Nackens“ muss nicht viel Zeit beanspruchen. Selbst F1-Fahrer absolvieren laut Kontsas möglicherweise nur zwei- oder dreimal pro Woche Nackenübungen von jeweils 10 bis 15 Minuten.
Es gebe laut Jayanthi Hinweise darauf, dass ein starker Nacken und Rumpf auch bei anderen schwerwiegenden Problemen helfen können.
So sei Nackentraining „eine der zugänglichsten und kostengünstigsten“ Möglichkeiten zur Erholung nach einer Gehirnerschütterung und zu deren Vorbeugung, sagte er.
Ebenso könne die Stärke der Wirbelsäule bei Tennisspielern ein Indikator dafür sein, Verletzungen vorzubeugen oder ihre Folgen abzumildern, erklärte Jayanthi.
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