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Kaffee und Gesundheit: Was Matteo Bassetti über Stoffwechsel und Langlebigkeit sagt

Frau trinkt heißen Kaffee in heller Küche, Dampfwolken steigen aus der Tasse auf.

Der kleine Espresso an der Bar gilt längst nicht mehr als schlechtes Gewissen, sondern zunehmend als möglicher Verbündeter der Gesundheit.

Nach Jahren des Misstrauens verlässt Kaffee die Ecke der „schlechten Gewohnheiten“ und wird Teil der Debatte über einen gesunden Lebensstil. Der italienische Infektiologe und Wissenschaftskommunikator Matteo Bassetti beschäftigt sich damit, wie Kaffee auf den Körper wirkt – von Stoffwechsel und Gewichtsabnahme bis zu Herzgesundheit und Langlebigkeit.

Der neue Ruf des Kaffees: vom Genuss mit schlechtem Gewissen zum täglichen Begleiter

Lange wurde Kaffee ähnlich wie Wein eingeordnet: genussvoll, aber besser nur in begrenzten Mengen. Wegen möglicher Auswirkungen auf Herzrhythmus, Blutdruck und Nervensystem rieten viele Ärztinnen und Ärzte zur Vorsicht.

Diese Einschätzung wird inzwischen differenzierter betrachtet. Bassetti betont, dass schwarzer Kaffee ohne Zucker, Sahne oder Sirup chemisch etwas völlig anderes ist als ein gezuckerter Latte oder ein dessertähnliches Getränk. In seiner puren Form enthält Kaffee zahlreiche bioaktive Verbindungen, die mit verschiedenen Körpersystemen interagieren.

„Schwarz und maßvoll getrunken wirkt Kaffee weniger wie ein Laster, sondern eher wie ein funktionelles Getränk mit messbaren Effekten.“

Er verweist auf drei große Forschungsfelder: die antioxidative Wirkung, den Einfluss auf Stoffwechsel und Körpergewicht sowie den interessanten Zusammenhang mit einer höheren Lebenserwartung.

Welche Bestandteile des Kaffees wirken im Körper?

Koffein ist der bekannteste Inhaltsstoff, aber bei weitem nicht der einzige relevante Stoff.

  • Koffein – ein anregender Stoff, der Adenosin blockiert, einen Botenstoff im Gehirn, der Schläfrigkeit fördert.
  • Polyphenole – pflanzliche Verbindungen mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften.
  • Weitere bioaktive Stoffe – kleinere Moleküle, die ebenfalls auf Zellen und Enzyme einwirken.

Indem Koffein Adenosin hemmt, bleiben Nervenzellen aktiver. Dadurch fühlen sich Menschen wacher, konzentrierter und weniger müde. Deshalb greifen Studierende, Schichtarbeitende und Autofahrende während langer Tage oft zu einem Espresso.

Polyphenole und verwandte Verbindungen wirken dagegen eher unauffällig. Sie können freie Radikale neutralisieren und damit oxidativen Stress verringern, der Zellen und Gewebe im Laufe der Zeit schädigen kann. Dieser oxidative Stress zählt zu den Prozessen, die mit Alterung, Schäden an Arterien und einigen chronischen Krankheiten verbunden sind.

Hilft Kaffee tatsächlich Herz und Gehirn?

Eine zunehmende Zahl von Beobachtungsstudien bringt moderaten Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für mehrere schwere Erkrankungen in Verbindung.

Große Bevölkerungsstudien zeigen, dass Menschen mit einigen Tassen Kaffee täglich tendenziell seltener Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden als Personen, die kaum Kaffee trinken. Bei Kaffeetrinkenden scheint zudem die Wahrscheinlichkeit für Parkinson und Alzheimer geringer zu sein.

„Die Daten deuten auf einen moderaten Schutz von Herz, Gehirn und Leber bei Menschen hin, die regelmäßig kleine Mengen Kaffee trinken.“

Fachleute vermuten mehrere Ursachen: die Wirkung von Koffein auf das Nervensystem, antioxidative und entzündungshemmende Effekte der Polyphenole sowie mögliche Veränderungen bei der Verarbeitung von Zucker und Fett durch die Zellen. In mehreren Kohorten wurde Kaffeekonsum außerdem mit einer besseren Insulinsensitivität und einem niedrigeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.

Auch die Leber könnte profitieren. Wer Kaffee in moderaten Mengen trinkt, entwickelt offenbar seltener bestimmte Lebererkrankungen, darunter Fettleber und einige Formen der Zirrhose.

Kaffee und das Darmmikrobiom: ein neues Forschungsfeld

Eine besonders spannende Forschungsrichtung untersucht, wie Kaffee die Darmmikrobiota beeinflusst – die Billionen von Mikroorganismen im Darm. Studien in Fachzeitschriften wie Nature Microbiology legen nahe, dass Kaffee-Polyphenole mitbestimmen, welche Bakterien sich besonders gut vermehren.

Diese Veränderungen im Mikrobiom sind relevant, weil Darmbakterien beteiligt sind an:

  • dem Stoffwechsel und der Gewinnung von Kalorien aus Lebensmitteln
  • der Bildung von Vitaminen und kurzkettigen Fettsäuren
  • der Steuerung von Entzündungen im Körper
  • der Modulation des Immunsystems

Indem regelmäßiger Kaffeekonsum das Mikrobiom möglicherweise in Richtung einer vielfältigeren und ausgewogeneren Zusammensetzung verschiebt, könnte er indirekt die Stoffwechselgesundheit fördern und systemische Entzündungen senken. Das könnte erklären, weshalb Kaffee in großen Bevölkerungsgruppen mit niedrigeren Raten von Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist.

Kann Kaffee beim Abnehmen helfen?

Wie Koffein den Stoffwechsel beeinflusst

Die Aussage „Kaffee macht schlank“ ist irreführend, doch ein echter Stoffwechseleffekt existiert. Koffein erhöht den Grundumsatz leicht, sodass der Körper im Ruhezustand etwas mehr Energie verbraucht. Das geschieht durch eine verstärkte Thermogenese – also Wärmeproduktion – und durch die Anregung der Fettverbrennung als Energiequelle, ein Prozess namens Lipolyse.

Einige Studien berichten je nach Dosis und individueller Empfindlichkeit von einem Anstieg des täglichen Energieverbrauchs um etwa 3% bis 12%. Bei einer Person mit einem Verbrauch von 2.000 kcal pro Tag könnten das zumindest kurzfristig 60–240 zusätzlich verbrauchte Kalorien bedeuten.

„Kaffee kann Stoffwechsel und Fettverbrennung leicht anstoßen, ist aber keine eigenständige Strategie zur Gewichtsabnahme.“

Effekte auf Leistung und Appetit

Koffein verringert außerdem das Gefühl von Erschöpfung und kann die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, besonders bei Ausdauersport. Während des Trainings kann der Körper verstärkt Fettsäuren zur Energiegewinnung nutzen und dadurch Glykogenspeicher schonen. In Verbindung mit regelmäßiger Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kann diese Verschiebung den Fettabbau unterstützen.

Manche Menschen haben nach dem Kaffeetrinken vorübergehend weniger Appetit, während andere kaum eine Veränderung feststellen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt von genetischen Unterschieden und den gewohnten Konsummengen ab.

Warum Kaffee keine ausgewogene Ernährung ersetzt

Bassetti unterstreicht, dass Kaffee bestenfalls ein zusätzliches Hilfsmittel innerhalb eines umfassenderen Konzepts ist, zu dem Ernährungsqualität, Kalorienbilanz, Bewegung und Schlaf gehören.

Rolle des Kaffees Was weiterhin wichtiger ist
Leichte Steigerung des Kalorienverbrauchs Die gesamte Kalorienzufuhr über Wochen und Monate
Unterstützung der sportlichen Leistungsfähigkeit Regelmäßige körperliche Aktivität statt nur gelegentlicher Trainingseinheiten
Möglicher Vorteil für die Insulinsensitivität Die Art der täglich verzehrten Kohlenhydrate und Fette

Sinnvoll eingesetzt kann Kaffee eine Gewichtsabnahme begleiten. Als alleinige Maßnahme, insbesondere mit Zucker und Sahne, kann er den Effekt jedoch leicht ins Gegenteil verkehren.

Kaffee und Langlebigkeit: Was die Zahlen zeigen

Mehrere groß angelegte Studien, die Hunderttausende Menschen über Jahre begleiteten, zeigen ein wiederkehrendes Muster: Moderate Kaffeetrinkende leben im Durchschnitt etwas länger.

Bei Personen, die ungefähr zwei bis vier espressoähnliche Portionen täglich trinken, scheint das Risiko, unabhängig von der Ursache zu sterben, gegenüber Nichttrinkenden um 15%–17% geringer zu sein. Besonders auffällig ist das niedrigere Risiko bei Todesfällen mit Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- oder Leberbezug.

„Der Zusammenhang zwischen regelmäßigem, moderatem Kaffeekonsum und einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit ist deutlich, beweist jedoch keine unmittelbare Ursache-Wirkungs-Beziehung.“

Es handelt sich dabei um Beobachtungsstudien: Forschende erfassen das Verhalten der Teilnehmenden, statt ihnen bestimmte Kaffeemengen vorzugeben. Dieses Studiendesign kann Störfaktoren nicht vollständig ausschließen, etwa Unterschiede bei Ernährung, Aktivitätsniveau oder sozioökonomischem Hintergrund.

Die übereinstimmenden Ergebnisse in verschiedenen Ländern und Bevölkerungsgruppen sprechen dennoch dafür, dass das Getränk selbst wahrscheinlich eine Rolle spielt – durch antioxidative, entzündungshemmende und stoffwechselbezogene Effekte sowie mögliche Veränderungen des Mikrobioms.

Welche Kaffeemenge gilt als sicher?

Für gesunde Erwachsene liegt der übliche Sicherheitsrichtwert bei etwa 400 Milligramm Koffein pro Tag. Das entspricht ungefähr vier bis fünf Espressi nach italienischer Art, wobei die tatsächliche Menge je nach Bohnensorte und Zubereitungsweise schwankt.

Innerhalb dieses Bereichs vertragen die meisten Erwachsenen Kaffee gut. Darüber hinaus treten eher Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Angstgefühle, Zittern, Magen-Darm-Beschwerden oder Schlafstörungen auf.

Wer sollte besonders vorsichtig sein?

Einige Gruppen reagieren empfindlicher auf Koffein und benötigen möglicherweise niedrigere Mengen oder ärztlichen Rat:

  • Menschen mit Schlaflosigkeit oder chronischen Schlafproblemen
  • Personen mit Angststörungen oder Panikattacken
  • Menschen mit unkontrolliertem Bluthochdruck oder häufigen Tachykardien
  • Personen mit Gastritis, Reflux oder empfindlichem Magen
  • Schwangere, denen in der Regel weniger als 200 mg pro Tag empfohlen werden

Für Kinder unter 12 wird regelmäßiger Kaffeekonsum nicht empfohlen. Ihr Nervensystem und ihr Herz-Kreislauf-System reagieren stärker auf anregende Stoffe. Die größte versteckte Gefahr geht häufig von Energydrinks und zuckerhaltigen Limonaden aus, die sowohl Koffein als auch große Zuckermengen enthalten.

Der richtige Zeitpunkt für Kaffee: Spielt die Uhrzeit eine Rolle?

Eine feste Uhrzeit, die für alle gilt, gibt es nicht. Im Durchschnitt beträgt die Halbwertszeit von Koffein im Körper vier bis sechs Stunden, doch Genetik, Medikamente, Leberfunktion und Alter können diesen Zeitraum verlängern oder verkürzen.

Schnelle Verstoffwechsler können nach dem Abendessen einen Espresso trinken und dennoch problemlos schlafen. Langsame Verstoffwechsler bemerken möglicherweise schon nach einer Tasse am frühen Nachmittag, dass sie nachts wach liegen. Als einfache Praxisregel gilt: Bei empfindlichem Schlaf Kaffee auf den Vormittag und frühen Nachmittag beschränken und die Reaktion des eigenen Körpers beobachten.

Kaffee gesund nutzen statt sich damit zu schaden

Ob Kaffee eine hilfreiche oder schädliche Gewohnheit wird, hängt oft davon ab, was in der Tasse landet. Ein kleiner Espresso ohne Zucker enthält nur wenige Kalorien. Ein großer aromatisierter Latte mit Schlagsahne kann dagegen leicht mit einem Dessert mithalten.

„Das Gesundheitsprofil von Kaffee bricht zusammen, wenn er in Zucker, Sahne, Sirupen und kalorienreichen Extras ertränkt wird.“

Wer Gewicht oder Blutzucker kontrollieren möchte, kann Zucker durch eine kleine Menge Milch ersetzen oder die Süße über mehrere Wochen schrittweise reduzieren. Es hilft außerdem, sämtliche Koffeinquellen mitzuzählen – Kaffee, Tee, Cola, Energydrinks und Pre-Workout-Pulver –, um unter den sicheren Tagesmengen zu bleiben.

Wichtige Begriffe und Alltagsszenarien

In Gesprächen über Kaffee tauchen häufig einige wissenschaftliche Begriffe auf:

  • Thermogenese: die Wärmeproduktion des Körpers, bei der Kalorien verbrannt werden.
  • Lipolyse: der Abbau gespeicherten Fetts zu Fettsäuren, die als Energiequelle dienen.
  • Insulinsensitivität: wie wirksam Zellen auf Insulin reagieren, um Glukose aus dem Blut aufzunehmen.
  • Oxidativer Stress: ein Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien, das Zellen schädigen kann.

Ein realistischer Tagesablauf könnte so aussehen: Jemand steht auf, trinkt zum Frühstück einen kleinen schwarzen Kaffee, nimmt am Vormittag bei der Arbeit noch einen weiteren zu sich und eventuell einen dritten direkt nach dem Mittagessen. Späte Espressi am Nachmittag werden vermieden, Zucker bleibt aus der Tasse, dazu kommen Bewegung und eine vernünftige Ernährung. In diesem Szenario fördert Kaffee wahrscheinlich die Wachheit, erhöht den Energieverbrauch leicht und könnte langfristige gesundheitliche Vorteile bieten.

Dem gegenüber steht eine Person, die schlecht schläft, Kaffee nutzt, um chronische Müdigkeit zu übergehen, täglich sechs oder sieben große, stark gezuckerte Getränke trinkt und sich kaum bewegt. Bei ihr kann Koffein Angstgefühle verstärken, den Schlaf zusätzlich beeinträchtigen und leere Kalorien liefern, während die eigentlichen Probleme eher verdeckt als gelöst werden.

Bewusst eingesetzt – in kleinen, ungesüßten Mengen und so getimt, dass Schlaf und bestehende Gesundheitsprobleme berücksichtigt werden – kann Kaffee vom „Genuss mit schlechtem Gewissen“ zu einem bewussten, maßvollen Ritual mit wissenschaftlich gestützten Vorteilen für Stoffwechsel und möglicherweise Langlebigkeit werden.

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