Älter zu werden gehört zum Leben dazu.
Doch durch eine bessere Gesundheitsversorgung und innovative Technologien erreichen immer mehr Menschen ein höheres Alter – und bleiben dabei länger gesund.
Das Älterwerden ist allerdings nicht immer unkompliziert. Mit zunehmendem Alter lassen Körper und Geist nach, wodurch die Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten wie Diabetes, Demenz und einige Krebsarten steigt.
In unserer aktuellen Studie begleiteten wir mehr als 12.000 ältere Australierinnen und Australier. Wir wollten herausfinden, ob soziale und geistige Aktivität dazu beitragen kann, im höheren Alter körperlich fit zu bleiben.
Das haben wir herausgefunden.
Wie der Körper altert
Mit zunehmendem Alter arbeiten die Gewebe und Organe des Körpers weniger effizient. Ursache dafür ist ein Prozess, der als biologische Alterung bezeichnet wird. Forschende verfolgen ihn, indem sie untersuchen, wie gut die Zellen im Körper funktionieren.
Dieser Vorgang verläuft bei jedem Menschen anders. Deshalb bleiben manche Personen bis ins hohe Alter gesund, während andere vorzeitig altern und körperlich gebrechlich werden.
Gebrechlichkeit ist bei älteren Menschen weit verbreitet und beeinträchtigt die Fähigkeit, sich von Krankheiten oder Verletzungen zu erholen.
Sie deutet darauf hin, dass der Körper abbaut, und kann das Risiko für Stürze und Krankenhausaufenthalte erhöhen. Zudem kann sie anfälliger für Krankheiten wie Herzkrankheiten, Demenz und Depressionen machen – und sogar das Risiko eines frühen Todes steigern.
Was wir untersucht haben
In unserer jüngsten Studie prüften wir, ob bestimmte soziale und lernbezogene Aktivitäten Gebrechlichkeit bei älteren Menschen verhindern oder verringern können.
Konkret betrachteten wir 19 Aktivitätsarten, die ältere Menschen kognitiv, sozial oder kulturell einbinden. Dazu zählten passive geistig anregende Beschäftigungen wie Musikhören oder Fernsehen ebenso wie aktivere Tätigkeiten, etwa Rätsel lösen oder Schach spielen.
Wichtig ist: Unsere Studie untersuchte nicht, wie sich andere Lebensstilfaktoren – beispielsweise regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung – auf Gebrechlichkeit auswirken. Denn zahlreiche Studien zeigen bereits, dass diese Faktoren das Risiko einer vorzeitigen Gebrechlichkeit deutlich senken.
Für die Untersuchung gewannen wir 12.862 Australierinnen und Australier im Alter von 70 Jahren und älter. Sie waren alle vergleichsweise gesund und litten nicht an schweren Erkrankungen wie Herzkrankheiten oder Demenz.
Anschließend begleiteten wir sie über 11 Jahre und erhoben jährlich Daten zu wichtigen Krankheitsindikatoren. Dazu gehörten der Anteil überschüssigen Bauchfetts und die Frage, ob die Teilnehmenden rauchten.
Auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit bewerteten wir, etwa indem wir sie baten, sich nach dem Sprechen eines kurzen Satzes an eine Wortliste zu erinnern.
Die körperliche Leistungsfähigkeit erfassten wir anhand der Gehgeschwindigkeit und der Kraft, mit der sie einen Gegenstand mit den Händen zusammendrücken konnten.
Darüber hinaus untersuchten wir, wie problemlos sie alltägliche Aufgaben wie Anziehen, Baden und die Zubereitung von Mahlzeiten erledigten.
Zur Bestimmung des individuellen Alterungsverlaufs nutzten wir außerdem zwei wissenschaftliche Instrumente. Dazu zählten der Defizitakkumulationsindex, der die Alterung des gesamten Körpers misst, sowie der Fried-Phänotyp, der erfasst, wie körperlich gebrechlich eine Person sein könnte.
Was wir herausgefunden haben
Unsere Studie zeigte, dass soziale Kontakte und Lernen damit verbunden waren, körperlich länger kräftig zu bleiben.
Teilnehmende, die einem Verein oder einer lokalen Organisation angehörten, wurden über einen Zeitraum von sieben Jahren im Durchschnitt 3% seltener gebrechlich.
Auch ein größeres Unterstützungsnetzwerk – beispielsweise mindestens vier Verwandte oder Freundinnen und Freunde, die sie regelmäßig kontaktieren und um Hilfe bitten konnten – stand mit geringerer Gebrechlichkeit in Zusammenhang.
Eine mögliche Erklärung ist, dass beide Formen sozialer Verbundenheit ältere Menschen dazu anregen, ihr Gehirn zu nutzen und aktiv unterwegs zu sein.
Denselben Zusammenhang beobachteten wir bei Teilnehmenden, die geistig anregende Aktivitäten ausübten, etwa Karten- und Schachspiele spielten oder Rätsel und Kreuzworträtsel lösten. Diese Formen passiver geistiger Beschäftigung schienen das Gebrechlichkeitsrisiko um etwa 4% zu senken.
Teilnehmende, die Lese- und Schreibaufgaben nachgingen – etwa Briefe schrieben, einen Computer nutzten oder Bildungskurse besuchten –, wurden im Vergleich zu Gleichaltrigen 2% seltener gebrechlich.
Frauen schienen jedoch am stärksten von diesen Aktivitäten zu profitieren: Ihr Risiko, gebrechlich zu werden, verringerte sich um 3% bis 6%. Bei Männern stellten wir keinen vergleichbaren Effekt fest.
Die Unterschiede sind zwar gering, treten aber konsistent auf. Das deutet darauf hin, dass regelmäßige soziale und lernbezogene Aktivitäten dazu beitragen könnten, länger gesund zu bleiben.
Wie geht es weiter?
Unsere neuen Forschungsergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, ältere Menschen in soziale und lernbezogene Aktivitäten einzubeziehen.
Allerdings lässt sich nur schwer beurteilen, ob soziale und lernbezogene Aktivitäten Gebrechlichkeit wirksamer vorbeugen als andere Lebensstilfaktoren wie körperliche Bewegung und Ernährung. Darauf sollte sich künftige Forschung konzentrieren.
Aus politischer Sicht sollten Regierungen in altersgerechte Infrastruktur investieren, etwa in Bibliotheken und Gemeindezentren.
Hilfsmittel wie Rampen und Haltegriffe sorgen dafür, dass ältere Menschen soziale oder lernbezogene Aktivitäten regelmäßig wahrnehmen können.
Wie kann ich gut altern?
Im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, soziale Kontakte zu pflegen und zu lernen. Hier sind vier praktische Ideen:
- Bleiben Sie regelmäßig mit Verwandten und Freundinnen und Freunden in Kontakt, indem Sie sich zum Beispiel eine Kalendererinnerung für eine Nachricht setzen oder ein monatliches Kaffeetreffen organisieren.
- Räumen Sie Aktivitäten Priorität ein, die das Gehirn fordern, etwa Zeitung lesen, Schach spielen oder Radio hören.
- Treten Sie einem Verein bei, der zu Ihren Interessen passt, beispielsweise einem Buchclub oder einer Schwimmgruppe.
- Seien Sie unterwegs und besuchen Sie zum Beispiel eine Bibliothek, ein Restaurant, ein Museum oder ein Theater.
Aung Zaw Zaw Phyo, Forschungsstipendiat für chronische Krankheiten und Alterung, Monash University, und Joanne Ryan, Professorin für chronische Krankheiten und Alterung, Monash University
Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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