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Intermuskuläres Fett erhöht unabhängig vom BMI das Risiko für Herzerkrankungen

Ärztin erklärt Patientin am Tablet Muskelstruktur während der Untersuchung im Behandlungszimmer.

Menschen, bei denen sich vergleichsweise viel Fett in und um die Muskeln verborgen ablagert, haben laut einer neuen Studie ein höheres Risiko, aufgrund einer Herzerkrankung zu sterben oder ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Dieser Zusammenhang bleibt unabhängig vom Body-Mass-Index (BMI) bestehen.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass der BMI als Kennzahl für die Herzgesundheit unzureichend ist. Zugleich weisen sie auf einen möglichen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin, der weiter untersucht werden sollte.

„Das Wissen, dass intermuskuläres Fett das Risiko für Herzerkrankungen erhöht, eröffnet uns eine weitere Möglichkeit, Menschen mit hohem Risiko zu erkennen – unabhängig von ihrem Body-Mass-Index“, sagt Mitautorin Viviany Taqueti, Leiterin des Labors für kardiale Belastungsdiagnostik am Brigham and Women's Hospital.

Nach Angaben der Autoren sind die gesundheitlichen Folgen von verfettetem Muskelgewebe bislang nur unzureichend erforscht. Es wurde jedoch unter anderem mit Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Ihrer Einschätzung nach handelt es sich um die bislang umfassendste Untersuchung zum Einfluss von verfettetem Muskelgewebe auf Herzerkrankungen.

Neben der Aufklärung dieses Zusammenhangs verdeutlicht die Studie die Grenzen von Messgrößen wie dem BMI bei der allgemeinen Bewertung des Risikos für Herzerkrankungen.

„Adipositas gehört inzwischen zu den größten weltweiten Bedrohungen für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Dennoch bleibt der Body-Mass-Index – unsere wichtigste Kennzahl zur Definition von Adipositas und von Schwellenwerten für Interventionen – ein umstrittener und fehlerhafter Indikator für die kardiovaskuläre Prognose“, erklärt Taqueti.

„Das gilt besonders für Frauen, bei denen ein hoher Body-Mass-Index möglicherweise eher ‚gutartige‘ Fettarten widerspiegelt.“

Intermuskuläres Fett und Muskelqualität

Jeder Mensch benötigt natürlich etwas Körperfett. Dazu zählen auch kleine Fettdepots, die zwischen den Fasern der Skelettmuskulatur eingelagert sind und als intermuskuläres Fettgewebe (IMAT) bezeichnet werden.

Intermuskuläres Fett kommt in den meisten Muskeln vor, doch seine Menge unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und nimmt mit zunehmendem Alter tendenziell zu. Lagert sich zwischen den Skelettmuskeln zu viel intermuskuläres Fett ab, spricht man von Fettinfiltration oder Myosteatose.

Frühere Studien brachten hohe IMAT-Werte mit Insulinresistenz und dem metabolischen Syndrom sowie mit Kraftverlust und eingeschränkter Beweglichkeit in Verbindung. Über IMAT ist allerdings weiterhin vieles unbekannt, darunter auch seine Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Taqueti und ihr Team suchten nach einem Zusammenhang zwischen Muskelqualität und koronarer mikrovaskulärer Dysfunktion (CMD) – einer Schädigung kleiner Blutgefäße, die das Herz versorgen – sowie weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„In unserer Forschung untersuchen wir Muskeln und verschiedene Fettarten, um zu verstehen, wie die Körperzusammensetzung die kleinen Blutgefäße oder die ‚Mikrozirkulation‘ des Herzens beeinflussen kann und wie sie sich auf das spätere Risiko für Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und Tod auswirkt“, sagt Taqueti.

Studie zu IMAT, CMD und Herzerkrankungen

An der Studie nahmen 669 Personen teil. Alle wurden im Brigham and Women's Hospital wegen Brustschmerzen oder Atemnot behandelt, zeigten jedoch keine Anzeichen für eine obstruktive koronare Herzkrankheit. Den Autoren zufolge waren etwa 70 Prozent Frauen, 46 Prozent gehörten nicht weißen Bevölkerungsgruppen an, und das Durchschnittsalter lag bei 63 Jahren.

Das Forschungsteam untersuchte das Herz jedes Patienten mittels kardialer Positronen-Emissions-Tomografie/Computertomografie (PET/CT). Zusätzlich nutzten die Forscher CT-Aufnahmen, um die Körperzusammensetzung sichtbar zu machen und Menge sowie Verteilung von Fett und Muskelmasse zu bestimmen.

Für die Analyse verwendeten sie eine Messgröße namens Fettmuskelanteil. Sie beschreibt das Verhältnis von intermuskulärem Fett zu Skelettmuskulatur plus intermuskulärem Fett.

Die Studienteilnehmer wurden rund sechs Jahre lang nachbeobachtet. Erfasst wurden Todesfälle und Krankenhausaufenthalte infolge von Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz.

Wie die Studie ergab, wiesen Patienten mit erhöhten IMAT-Werten häufiger eine CMD auf und hatten ein höheres Risiko, aufgrund einer Herzerkrankung zu sterben oder ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.

Mit jedem Anstieg des Fettmuskelanteils um 1 Prozent erhöhte sich das CMD-Risiko nach Angaben der Forscher um 2 Prozent. Das Risiko für ein schwerwiegendes unerwünschtes kardiovaskuläres Ereignis stieg um 7 Prozent – unabhängig vom BMI und anderen bekannten Risikofaktoren.

Besonders gefährdet sind der Studie zufolge Patienten mit überschüssigem IMAT und gleichzeitigem Nachweis einer CMD: Ihr Risiko für Tod, Herzinfarkt und Herzinsuffizienz ist noch höher.

Menschen mit mehr fettfreier Muskelmasse hatten dagegen ein niedrigeres Risiko, berichten die Forscher. Fettablagerungen an anderen Körperstellen, etwa unter der Haut, erhöhten das Risiko nicht.

„Im Vergleich zu subkutanem Fett könnte in den Muskeln gespeichertes Fett zu Entzündungen und einem veränderten Glukosestoffwechsel beitragen, die zu Insulinresistenz und metabolischem Syndrom führen“, sagt Taqueti. „Diese chronischen Belastungen können wiederum Blutgefäße schädigen, einschließlich jener, die das Herz versorgen, sowie den Herzmuskel selbst.“

Grenzen der Untersuchung

Wie die Autoren einräumen und zwei weitere Wissenschaftler in einem begleitenden Leitartikel darlegen, weist die Studie einige bedeutende Einschränkungen auf.

Künftige Forschung sollte den Zusammenhang zwischen verfettetem Muskelgewebe und Herzerkrankungen eingehender untersuchen, sagt Taqueti. Außerdem müsse geprüft werden, wie sich diese Erkenntnisse nutzen lassen, um Leben zu retten.

Die Studie wurde im European Heart Journal veröffentlicht.

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