Frauen, die von Natur aus Nachtmenschen sind, weisen offenbar mehr Körperfett sowie ungünstigere Werte für Blutzucker und Cholesterin auf als Frauen, die einen früheren Tagesrhythmus bevorzugen.
Eine Untersuchung mit fast 300 Frauen aus Neuseeland zeigte, dass dies selbst dann galt, wenn beide Gruppen täglich ungefähr gleich viel aßen. Der entscheidende Unterschied lag im Zeitpunkt der Mahlzeiten.
Die Nachtmenschen aßen morgens nur wenig und verlagerten ihre größten Mahlzeiten in den späten Abend. Dieses nächtliche Essen stand in engem Zusammenhang mit einem höheren Körperfettanteil und einer schlechteren Stoffwechselgesundheit.
Das Profil von Nachtmenschen
Ob jemand ein Frühaufsteher oder ein Nachtmensch ist, wird durch den Chronotyp bestimmt – die körpereigene Präferenz dafür, wann man schläft, aufwacht und sich wach fühlt.
Zur Einteilung der Teilnehmerinnen verwendeten die Forschenden einen Fragebogen, der den Mittelpunkt des Schlafs an arbeitsfreien Tagen ermittelt.
Anschließend teilte das Team die Frauen in Abendtypen, Morgentypen und eine dazwischenliegende mittlere Gruppe ein.
Rozanne Kruger, Professorin für Ernährung und Diätetik an der Griffith University, leitete die Auswertung. Grundlage war eine größere Frauengesundheitsstudie der Massey University in Auckland, Neuseeland.
Eindeutiges Muster für den Stoffwechsel
Bei den Teilnehmerinnen handelte es sich um gesunde Frauen, nicht um Patientinnen. Alle 287 Frauen waren zwischen 18 und 45 Jahre alt und hatten keine chronischen Erkrankungen, die solche Untersuchungen üblicherweise erschweren.
Die Abendtypen hoben sich deutlich ab. Ihr Body-Mass-Index war höher – 31,4 gegenüber 26,1 bei den früher aufstehenden Frauen –, ebenso ihr Körperfettanteil und die Fettmenge im Bauchbereich.
Auch die Blutwerte zeichneten ein ähnliches Bild: Nüchterninsulin, Triglyzeride und der Langzeitblutzucker lagen höher.
Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme
Über den gesamten Tag hinweg nahmen Morgen- und Abendtypen nahezu identische Energiemengen auf. Die Abendgruppe lag mit etwa 50 Kalorien nur geringfügig vorn – eine vernachlässigbare Differenz im Verhältnis zu ihrer gesamten Nahrungsaufnahme.
Der Unterschied zeigte sich auf der Uhr. Morgen- und mittlere Typen nahmen einen großen Teil ihrer Energie früh am Tag auf: Rund 15 % der Tagesenergie wurden vor zehn Uhr morgens verzehrt.
Die Abendtypen kamen zu diesem frühen Zeitpunkt nur auf etwa neun Prozent und glichen dies nach Einbruch der Dunkelheit aus. Nach acht Uhr abends kehrte sich das Muster um.
Abendtypen nahmen im späten Abendfenster fast ein Viertel ihrer täglichen Energie zu sich – ungefähr das 2,5-Fache ihres morgendlichen Anteils. Die früheren Typen kamen in diesem Zeitraum dagegen auf etwa elf Prozent.
Die nächtliche Nahrung enthielt zudem tendenziell mehr Kohlenhydrate und Fett. Diese Umkehrung war der zentrale Befund der Studie.
„Sowohl Morgentypen als auch Abendtypen nahmen über den Tag hinweg ähnliche Mengen an Nahrung oder Energie zu sich, doch entscheidend war der Zeitpunkt des Essens“, sagte Kruger.
Bauchfett und Biomarker
Um festzustellen, wo sich das späte Essen körperlich bemerkbar machte, bestimmten die Forschenden das Verhältnis zwischen Fett im Bauchraum und Fett an Hüften und Oberschenkeln.
Dieser Wert für Bauchfett weist deutlicher als das Gewicht allein auf Risiken für Herz und Stoffwechsel hin. Zuvor hatte keine Studie dieses Maß über verschiedene Chronotypen hinweg untersucht.
Hier war der Kontrast am ausgeprägtesten. Unter den Frauen mit dem höchsten Anteil an Bauchfett fiel das späte Essen der Abendtypen besonders klar auf.
Sie nahmen nach acht Uhr abends deutlich mehr Energie, Kohlenhydrate und Fett auf als die früher aufstehenden Frauen – und am frühen Morgen deutlich weniger.
Die Blutuntersuchungen passten zu diesem Muster. Abendtypen hatten höhere Werte für Insulin, Triglyzeride und glykiertes Hämoglobin, einen Marker für den durchschnittlichen Blutzucker, sowie niedrigere Werte des schützenden HDL-Cholesterins.
Eine umfassendere Auswertung, die Dutzende Studien zusammenführte, kam zum gleichen Ergebnis: Abendtypen weisen ungünstigere Marker für Herz- und Stoffwechselgesundheit auf, selbst wenn sie nicht mehr essen als Frühaufsteher.
Warum spätes Essen nachteilig sein kann
Je nach Tageszeit verarbeitet der Körper Nahrung unterschiedlich. Morgens ist er darauf eingestellt, Energie zu verbrennen: Insulin arbeitet effizient, und der Blutzucker bleibt besser kontrolliert.
Mit dem Abend fährt dieses System herunter, um sich auf die nächtliche Fastenphase vorzubereiten.
Wer kurz vor dem Schlafengehen eine große Mahlzeit isst, führt dem Körper Nahrung zu, wenn er sich bereits stärker auf Speicherung als auf Verbrauch eingestellt hat.
Frühstück bleibt wichtig
Über Monate und Jahre könne diese Fehlanpassung nach Ansicht der Autorinnen und Autoren dazu führen, dass Energie eher als Fett gespeichert wird, statt körperliche Aktivität zu versorgen – insbesondere in der Körpermitte.
Eine Studie hat diesen Effekt direkt belegt. Aßen Freiwillige später am Tag, verbrannten sie weniger Kalorien, verspürten mehr Hunger, und ihr Fettgewebe war stärker auf Energiespeicherung als auf Energiefreisetzung ausgerichtet.
Das Auslassen des Frühstücks könnte diesen Kreislauf begünstigen. Wer früh keine Mahlzeit zu sich nimmt, ist am Abend häufig hungriger.
Das kann zu übermäßigem Essen oder reichhaltigem Naschen in der Nacht führen – genau zu dem Muster, das bei den Abendtypen beobachtet wurde.
Mahlzeiten früher am Tag planen
Die meisten Abendtypen waren jüngere Pazifikinsulanerinnen aus sozial stärker benachteiligten Gebieten. Der Chronotyp kann daher nicht losgelöst von Ernährung, Kultur und sozioökonomischen Faktoren betrachtet werden.
Die Forschenden berücksichtigten diese Einflüsse rechnerisch, konnten sie jedoch nicht vollständig voneinander trennen. Die Ergebnisse müssen deshalb in vielfältigeren Gruppen überprüft werden.
Zudem erfasste die Studie lediglich einen Zeitpunkt. Sie kann somit nicht beweisen, dass spätes Essen das zusätzliche Fett verursachte und nicht umgekehrt.
Gesundes Essen neu bewerten
Die Ernährungsangaben beruhten auf Selbstauskünften, und das Team erfasste die Uhrzeit statt der individuellen inneren biologischen Nacht jeder Frau. Dennoch liefert die Untersuchung einen konkreten zusätzlichen Hinweis.
Sie gehört zu den ersten Studien, die bei gesunden jungen Frauen zeigen, dass eher der Zeitpunkt der Mahlzeiten als die Gesamtenergieaufnahme mit Körperfett, zentralem Fett und Stoffwechselmarkern über verschiedene Chronotypen hinweg zusammenhängt.
Größere Mahlzeiten früher einzuplanen und spätes Essen zu reduzieren, könnte Nachtmenschen helfen, ihr Risiko zu senken, ohne insgesamt weniger essen zu müssen.
„Die Forschung verdeutlicht, dass der Zeitpunkt des Essens für Menschen genauso wichtig sein kann wie die Auswahl ihrer Nahrung“, sagte Kruger.
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