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Clean Eating: Wann gesunde Ernährung schädlich werden kann

Eine junge Frau sitzt am Tisch und wirkt unglücklich beim Essen, während eine andere sie tröstend berührt.

Eine ausgewogene Ernährung zählt zu den wichtigsten Faktoren, um körperlich und psychisch gesund zu bleiben.

Studien weisen darauf hin, dass sie das Risiko für verschiedene Erkrankungen senken kann, darunter Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten.

Auch vor Depressionen und anderen psychischen Belastungen kann die Ernährung möglicherweise schützen.

Für manche Menschen kann der Verzehr von angeblich „reinen“ Lebensmitteln jedoch zur Besessenheit werden. Soziale Medien können diese Entwicklung zusätzlich verstärken.

Was genau bedeutet also „Clean Eating“? Und ab wann kann es schädlich sein?

Ein beunruhigender Trend

Mit dem Begriff „Clean Eating“ wird eine Reihe von Ernährungsweisen beschrieben, bei denen ein starker Fokus auf „richtiger Ernährung“ liegt.

Diese Verhaltensweisen können zwanghafte Züge annehmen, da sie häufig auf restriktiven Essmustern und dem Vermeiden von Lebensmitteln beruhen, die als „ungesund“ oder „unrein“ gelten.

Vor allem in sozialen Medien hat Clean Eating im Ernährungsbereich an Bedeutung gewonnen. Plattformen wie Instagram und TikTok verbreiten zunehmend Botschaften, nach denen verarbeitete Produkte gemieden und ausschliesslich „reine“ Lebensmittel gegessen werden sollten.

Solche Botschaften stammen allerdings meist von Wellness-Influencern und nicht von Fachkräften im Gesundheitswesen.

Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen einer ausgewogenen Ernährung und übermässig restriktiven Essgewohnheiten immer stärker.

Der Unterschied zwischen „Clean Eating“, gestörtem Essverhalten und Essstörungen

Das Grundprinzip von Clean Eating ist nicht automatisch problematisch. Es kann jedoch bedenklich werden, wenn die Essgewohnheiten einer Person von strengen Regeln bestimmt werden und eng mit ihrem Selbstwert verbunden sind.

Dann kann es passieren, dass sie Angst, Schuldgefühle oder Unwohlsein empfindet, wenn sie vermeintlich „unreine“ oder „ungesunde“ Lebensmittel isst.

Gestörtes Essverhalten ist ein weiter Begriff für problematische Essgewohnheiten, die die klinischen Kriterien für die Diagnose einer Essstörung nicht erfüllen.

Trotzdem kann gestörtes Essverhalten die körperliche und psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Dazu können beispielsweise das Auslassen von Mahlzeiten, dauerhaftes Diäthalten, Essanfälle, zwanghaftes Sporttreiben, Sorgen um das eigene Körperbild und eine intensive gedankliche Beschäftigung mit Essen gehören.

Eine Essstörung ist eine klinisch anerkannte psychische Erkrankung, die das Essverhalten sowie Gedanken über Lebensmittel, Körpergewicht oder Körperform dauerhaft und negativ beeinflusst.

Essstörungen können schwerwiegende Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben und in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich sein. Dazu zählen Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung und die vermeidend-restriktive Ernährungsstörung.

Orthorexia nervosa – definiert als übermässige Beschäftigung mit gesunder Ernährung – wird offiziell nicht als Essstörung anerkannt.

Sie steht jedoch mit der Clean-Eating-Bewegung in Verbindung.

Menschen mit Orthorexia nervosa können sehr strenge Essregeln entwickeln. Werden diese Regeln verletzt, kann das ihre körperliche Gesundheit, ihre sozialen Beziehungen und ihre allgemeine Lebensqualität beeinträchtigen.

Forschungen deuten darauf hin, dass unterschiedliche Faktoren auf komplexe Weise zusammenwirken und zu gestörtem Essverhalten beitragen können.

Genetik, Diäten, Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, Angst, Sorgen um das Körperbild, sozialer Druck, Erfahrungen in der Familie sowie der Kontakt mit auf das Aussehen ausgerichteten Botschaften können das Risiko für gestörtes Essverhalten erhöhen.

Diese Einflüsse wirken bei jeder Person anders zusammen. Daher sind manche Menschen möglicherweise anfälliger für gestörtes Essverhalten als andere. Die Forschung hat diese Wechselwirkungen jedoch noch nicht vollständig verstanden.

Wann Clean Eating zu weit geht

Clean Eating kann schädlich werden, wenn es zwanghafte Formen annimmt.

Folgende Muster können mit einem belastenden Verhältnis zu Essen und Ernährung verbunden sein:

  • immer strengere Regeln rund um Lebensmittel aufstellen, etwa indem bestimmte Nahrungsmittel als „gut“ oder „schlecht“ eingestuft werden
  • beim Verzehr „schlechter“ Lebensmittel Angst, Schuldgefühle oder Belastung empfinden, insbesondere wenn dies als Ausdruck des eigenen Selbstwerts gesehen wird
  • soziale oder andere Veranstaltungen meiden, besonders wenn dort gegessen wird, aus Angst, von den eigenen Ernährungsregeln abzuweichen
  • übermässig viel Zeit damit verbringen, über Lebensmittel nachzudenken, Mahlzeiten zu planen oder sich über Ernährung zu informieren
  • Essen nicht geniessen, sondern es stattdessen als stressig und einschränkend erleben.

Wie kann ich einer nahestehenden Person helfen, die möglicherweise betroffen ist?

Hier sind fünf praktische Ansätze:

  • einen ruhigen, ungestörten Zeitpunkt für ein Gespräch wählen
  • die Sorge um ihr Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellen, nicht ihre Lebensmittelauswahl oder ihr Aussehen
  • aufmerksam und ohne Wertung zuhören und versuchen, ihre Sichtweise zu verstehen
  • Diskussionen über Lebensmittel vermeiden und nicht versuchen, die Person zum Aufgeben ihrer Ernährungsregeln zu überreden
  • sie dazu ermutigen, Unterstützung bei einer Fachkraft im Gesundheitswesen zu suchen.

Wenn Sie einem globalen Forschungsnetzwerk beitreten möchten, das Essstörungen und verwandte Themen besser verstehen will, besuchen Sie das Consortium for Research in Eating Disorders.

Gemma Sharp, Professorin, Leiterin der Forschung zu Körperbild, Ess- und Gewichtsstörungen, Universität Adelaide

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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