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Google Fitbit Air im Test: 99 Euro für ein Fitnessarmband ohne Display

Person sitzt an Holztisch, bedient Smartwatch, daneben Handy, Earbuds und Cappuccino, helles Tageslicht.

Ein Display-loses Fitnessarmband für 99 Euro, verstärkt durch Googles KI: Das ist das Versprechen des Fitbit Air. An einem solchen Angebot konnte ich nicht vorbeigehen. Deshalb habe ich meine Apple Watch einen Monat lang gegen dieses überraschende Armband eingetauscht.

Das Google Fitbit Air ist ein unauffälliges, leichtes Fitnessarmband ohne Display mit einem Gewicht von 12 g und einem Preis von 99 Euro. Es soll im Alltag Gesundheitswerte, Schlaf und körperliche Aktivitäten erfassen. Wichtig zu wissen: Ein GPS-Modul fehlt, was beim Sport durchaus für Frust sorgen kann – darauf komme ich noch zurück.

Dank der 5ATM-Zertifizierung kann es bis zu 50 Meter tief ins Wasser. Geladen wird über einen magnetischen USB-C-Anschluss; von 0 auf 100 % dauert es etwa eine Stunde.

Einen Monat lang habe ich also meine Apple Watch abgelegt und mich ausschliesslich auf das neue Google-Armband verlassen. Wegen des fehlenden Bildschirms musste ich die Google-Health-App, früher Fitbit, zwangsläufig sehr häufig öffnen, um meine Werte zu prüfen.

Genug zur Theorie – jetzt geht es um die Praxis.

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Ein unauffälliges Armband

Seit Jahren gilt die Smartwatch als der heilige Gral des Gesundheits-Trackings. Für die tägliche Erfassung ist das Uhrenformat jedoch nicht unbedingt ideal: Eine Uhr ist schwer, man schläft nicht zwingend mit ihr und sie muss täglich geladen werden. Wie Millionen andere Nutzer habe auch ich mir angewöhnt, meine Apple Watch abends auf die Ladestation neben dem Bett zu legen. Damit bleiben mir praktisch die Hälfte meiner Gesundheitsdaten unbekannt.

Das Google Fitbit Air will genau dieses Problem lösen. Wie das Whoop, das Amazfit Helio Strap oder das Polar Loop gehört es zu einer neuen Kategorie von Fitnessarmbändern ohne Bildschirm. Auf Benachrichtigungen muss man daher verzichten. Für mich ist das kein Nachteil, denn ich deaktiviere sie ohnehin, weil sie zu aufdringlich sind.

Wie die meisten Konkurrenten setzt Google konsequent auf Minimalismus. Das Elektronikmodul misst 34,9 x 17 x 8,3 mm und ist auf der Unterseite des Handgelenks 10 mm dick. Die Stoffvariante ist in Blau – mein Testmodell –, Rot oder Hellgrün erhältlich, die Kunststoffversion in Schwarz oder Creme. Austauschbare Bänder verkauft Google für 44 bis 59 Euro. Mit einer Breite von 19 mm liegt das Fitbit Air zwischen dem Whoop 5.0 mit 27 mm und dem Polar Loop. Dadurch zählt es zu den unauffälligsten Modellen auf dem Markt.

Dieser Minimalismus schränkt die Bedienung des Armbands zwangsläufig ein: Mit einem Doppeltipp lässt sich der Akkustand kontrollieren oder der Weckalarm auslösen. Mehr gibt es nicht. Für jemanden wie mich, der Ablenkungen möglichst reduzieren möchte, ist das ideal.

Hervorragend für die tägliche Erfassung

Zunächst zu den Stärken des Fitbit Air: Das Tracking der täglichen Aktivität ist präzise, diskret und lückenlos. Man muss nichts „aktivieren“ – das Armband zeichnet dauerhaft Schritte, verbrannte Kalorien, Herzfrequenz, SpO2, Herzfrequenzvariabilität (HRV) und die Hauttemperatur auf.

Alle Daten werden in der nahezu tadellos gestalteten App Google Health, der vollständig überarbeiteten früheren Fitbit-App, zusammengeführt. Sie gliedert sich in vier Bereiche: Heute für die Tagesübersicht, Fitness, Schlaf und Gesundheit. Die Informationen sind verständlich priorisiert und gut lesbar. Man muss sich nicht durch Menüs arbeiten, sondern erkennt sofort, wie es um einen steht.

Diese Lösung sorgt für eine Kontinuität bei der Datenerfassung, die mir sehr gut gefallen hat. Mit meiner Apple Watch und anderen Smartwatches entstanden durch Nächte ohne Uhr Lücken in meinem Verlauf. Vor allem fehlte mir jede Schlafüberwachung. Einen Smart Ring hatte ich zwar ausprobiert, doch dessen Daten waren mir nicht präzise genug. Das Fitbit Air ist nachts komfortabel und liefert mir verlässliche Daten.

Schlaftracking mit dem Fitbit Air

Das Fitbit Air ist damit das erste vernetzte Gerät, das mich beim Schlaftracking vollständig überzeugt. Wie bereits erwähnt, trage ich meine Apple Watch nachts nicht. Sie ist zu gross, zu unbequem und hält nicht lange genug durch, um einen Tag und eine Nacht ohne Laden auszukommen. Deshalb lade ich sie täglich. Das Ergebnis: Seit Jahren habe ich praktisch keine Schlafdaten.

Mit dem Fitbit Air ist dieses Problem gelöst. Das Armband ist so leicht und flach, dass ich es vergesse. Vor allem die Schlafaufzeichnung ist bemerkenswert präzise. Das Armband analysiert Gesamtdauer, Schlafphasen – leicht, tief und REM –, Unterbrechungen, nächtliche Herzfrequenz, SpO2 und HRV. Anschliessend erstellt Google Health einen Schlafwert, wie man ihn auch aus Apps für Smart Rings kennt. Mit dem Premium-Abo gibt es zudem personalisierte Empfehlungen zur Verbesserung der Schlafqualität.

Und das funktioniert: Nach einem Monat habe ich meine Schlafenszeiten verändert. Die App hat mir vor Augen geführt, auch wenn ich es eigentlich wusste, dass langes Ausschlafen am Wochenende mein Schlafdefizit unter der Woche nicht ausgleicht. Ausserdem stellte ich fest, dass ich besser schlief, wenn ich tagsüber gelaufen war oder Sport gemacht hatte, abends früher gegessen oder mehrere Stunden vor dem Schlafengehen keine Bildschirme mehr genutzt hatte.

Der jeden Morgen abrufbare Gesamtwert für die tägliche Belastbarkeit fasst Schlaf, Stress und Erholung zusammen. Dabei berücksichtigt er nicht nur die Schlafdauer der Nacht, sondern auch die nächtliche Ruheherzfrequenz.

Kurz gesagt: Ich habe es geliebt, mit dem Fitbit Air zu schlafen.

Kein idealer Begleiter für den Sport

Den Adidas Paris 10-km-Lauf bin ich mit dem Fitbit Air am Handgelenk gelaufen. Wie der Name schon sagt, ist die Strecke exakt 10 km lang. Das Armband bescheinigte mir jedoch mehr als 11 km.

Das grösste Problem des Fitbit Air ist das fehlende GPS. Bei Aktivitäten mit Fortbewegung berechnet es die Distanz anhand der Schrittzahl und einer geschätzten Schrittlänge. Für einen gemütlichen Spaziergang oder einen lockeren Lauf auf einer vertrauten Strecke reicht das aus. Für anspruchsvollere Sportler ist diese Methode jedoch deutlich zu ungenau.

Beim Laufen kann das Fitbit Air das GPS des Smartphones nutzen, sofern man es mitnimmt, was die Genauigkeit verbessert. Mit einem Smartphone zu laufen, ist allerdings nicht besonders praktisch. Und bei Sportarten, bei denen die Hände beschäftigt sind – etwa Tennis –, stellt sich die Frage erst recht.

Von der automatischen Erkennung von Ausdauersportarten wie Gehen, Laufen und Radfahren, die an Drittanbieter-Apps wie Strava übertragen werden können, war ich dennoch sehr beeindruckt. Unbedingt empfehlen würde ich das aber nicht, denn bereits jeder kleine Weg zu Fuss wird zu einer Strava-Aktivität. Zwei Wochen lang konnten meine Follower daher meine Wege verfolgen. Vielen Dank auch für den Datenschutz.

Andere Aktivitäten wie Yoga, Krafttraining oder HIIT müssen in der App Google Health manuell gestartet werden. Das ist etwas umständlich.

Das Fitbit Air ist somit klar als passives Werkzeug für Gesundheitsüberwachung und Erholung positioniert, nicht als Trainingsbegleiter. Seit dem Ende meines Tests ziehe ich bei jedem Training daher wieder meine Sport-Smartwatch an – zusätzlich zum Fitbit Air.

Google Health: die positive Überraschung

Google Health ist das Gehirn des Fitbit Air. Die kostenlos für iOS und Android erhältliche App bündelt sämtliche Armbanddaten in vier durchdachten Bereichen – Heute, Fitness, Schlaf und Gesundheit – und bereitet sie klar auf, ohne Nutzer mit unlesbaren Diagrammen zu überfordern.

Gute Nachrichten für Apple-Nutzer: Die Anbindung an Apple Health funktioniert. Auch Ernährungsdaten, Kohlenhydrate, verbrannte Kalorien oder Schritte lassen sich von der Apple Watch in Google Health importieren. Beide Apps können also problemlos nebeneinander bestehen.

Das Abo Google Health Premium für 8,99 €/Monat oder 79,99 €/Jahr schaltet den rund um die Uhr verfügbaren, auf Gemini basierenden KI-Dienst Google Health Coach frei. Der Coach ist weder überflüssig noch unverzichtbar. Er ordnet die Daten sinnvoll ein, kann einen individuellen Trainingsplan erstellen und sich an veränderte Lebensumstände wie Reisen, Verletzungen oder stressige Wochen anpassen. Doch auch ohne Abo ist das Armband bereits sehr umfangreich ausgestattet.

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Mein Urteil zum Fitbit Air

Das Google Fitbit Air ist das beste Produkt, das Google je entwickelt hat, um Menschen dazu zu bewegen, besser auf sich zu achten. Mit 99 Euro tritt es in eine Kategorie ein, die bisher zwei- bis dreimal so teuer war – Whoop und Oura –, und bietet dazu eine kostenlose App, die ich für die beste ihrer Klasse halte.

Wer nachts keine Uhr tragen möchte und seine Gesundheitsdaten erfassen will, ohne ständig auf einen Bildschirm zu schauen, findet hier ein nahezu perfektes Gerät.

Für regelmässig trainierende Sportler, die ihre Workouts präzise aufzeichnen möchten, ist das fehlende GPS dagegen ein echtes Hindernis. Das Fitbit Air ersetzt eine Smartwatch also nicht vollständig. Ich hoffe dennoch, dass Google eine nächste Generation mit GPS herausbringt. Dann hätte das Unternehmen vermutlich die perfekte Formel gefunden.

Google Fitbit Air

99€

Gesamtwertung

9.5/10

Das gefällt uns

  • Leicht, komfortabel und unauffällig
  • Hervorragendes Tracking von Schlaf und täglicher Aktivität
  • Akkulaufzeit von einer Woche
  • Google Health, beste App für Aktivitätstracking
  • Niedriger Preis

Das gefällt uns weniger

  • Kein GPS, unpräzises Sporttracking
  • Eingeschränkte automatische Aktivitätserkennung
  • Für viele Sportarten ist die App erforderlich
  • Health Coach kostenpflichtig und nicht unverzichtbar

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