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BMI und bioelektrische Impedanzanalyse: BIA sagt Gesundheitsrisiken besser voraus

Arzt erklärt Patient mit Gehhilfen die Ergebnisse auf einem Tablet im hellen Behandlungsraum.

Die von vielen Ärztinnen und Ärzten bevorzugte Methode zur Bestimmung eines gesunden Gewichts könnte laut neuer Forschung gravierende Mängel haben.

Eine bevölkerungsbasierte Studie der University of Florida (UF) kommt zu dem Ergebnis, dass der BMI beziehungsweise Body-Mass-Index bei der Vorhersage künftiger gewichtsbedingter Gesundheitsrisiken bei Weitem nicht die beste Wahl ist.

Eine andere Methode, die Körperfett direkt erfasst und bereits seit Jahrzehnten verfügbar ist, stellt den BMI nun deutlich in den Schatten: die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA).

Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) und Herzrisiko

In einer landesweit repräsentativen Auswertung hatten Menschen mit einem mittels BIA gemessenen hohen Körperfettanteil im Vergleich zu Personen mit niedrigeren Werten ein um 262 Prozent erhöhtes Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben.

Die BMI-Werte hingegen, die lediglich das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße setzen, zeigten keinen signifikanten Zusammenhang mit der Sterblichkeit.

„Seien wir ehrlich: Das Ausmaß des Risikos, das diese Studie zeigt, ist enorm“, sagte der nicht an der Studie beteiligte Kardiologe Andrew Freeman gegenüber Sandee LaMotte von CNN.

„Es ist beängstigend zu denken, dass wir über Jahre hinweg möglicherweise einen Ersatzwert – den BMI – verwendet haben, der vielleicht gar nicht so präzise war.“

Der BMI wird seit Langem als Standardmaß für Adipositas genutzt und unter anderem von den US Centers for Disease Control and Prevention (CDC), den National Institutes of Health (NIH), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der American Heart Association (AHA) und vielen weiteren Organisationen unterstützt.

In den vergangenen Jahren haben Forschende weltweit jedoch begonnen, BMI-Messungen infrage zu stellen. Sie berücksichtigen weder Unterschiede bei Körperbau, Alter, Geschlecht, biologischem Geschlecht, Herkunft noch Ethnie. Einige medizinische Organisationen haben Ärztinnen und Ärzten sogar geraten, dem BMI weniger Gewicht beizumessen.

BIA misst Körperfett direkt

Der Gesundheitsdienstleistungsforscher Arch Mainous und sein Team an der UF schlagen nun eine dringend benötigte Alternative vor, deren Durchführung weniger als eine Minute dauert. Bei der BIA wird der Körperfettanteil mithilfe eines tragbaren und kostengünstigen Geräts direkt gemessen.

Das Gerät sendet einen schwachen elektrischen Strom durch das Körpergewebe, um die Zusammensetzung von Muskel- und Fettmasse zu bestimmen. Die Technologie ist seit den 1980er-Jahren kommerziell erhältlich, doch erst seit Kurzem werden BIA-Sensoren in moderne Fitness-Tracker und Smartwatches integriert.

Obwohl diese Messungen nicht fehlerfrei sind und Schwankungen unterliegen, deutet die landesweit repräsentative Studie der UF darauf hin, dass diese 25 Jahre alte Technologie als Gesundheitsindikator genauer ist als der BMI.

Über einen Zeitraum von 15 Jahren stellten die Forschenden fest, dass Erwachsene mit einem laut BIA hohen Körperfettanteil mit einer um 78 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit unabhängig von der Ursache starben als Personen mit niedrigeren Körperfettwerten.

Im Gegensatz dazu zeigte ein höherer BMI keinen signifikanten Zusammenhang mit der Gesamtsterblichkeit.

„Diese Studie verändert alles“, sagt Hauptautor Mainous. „Das ist der ultimative Coke-gegen-Pepsi-Test. Und der BMI hat versagt.“

Der BMI lässt sich zwar unkompliziert und schnell berechnen, bringt jedoch erhebliche Einschränkungen mit sich. Menschen mit viel Muskelmasse können beispielsweise mitunter als übergewichtig oder adipös eingestuft werden. Umgekehrt wissen Personen mit normalem BMI, aber erhöhtem Körperfettanteil möglicherweise nicht, dass für sie zusätzliche Gesundheitsrisiken wie ein metabolisches Syndrom oder Typ-2-Diabetes bestehen könnten.

Mainous und seine Kolleginnen und Kollegen argumentieren, dass die BIA eine präzisere Alternative sei. Die Messgeräte seien zudem günstig und kompakt genug, um zur Standardausstattung medizinischer Praxen zu werden.

Das UF-Team erwartet, dass „es wahrscheinlich ist, dass die Messung des Körperfettanteils mit BIA zum Versorgungsstandard wird“, sofern die Ergebnisse in größeren und vielfältigeren Kohorten bestätigt werden.

„Diese Daten werden sowohl zu besseren Gesprächen in der Arztpraxis als auch zu Initiativen im Bereich der öffentlichen Gesundheit beitragen, mit dem Ziel, die Gesundheit aller zu verbessern“, schließen die Forschenden.

Die Studie wurde in den Annals of Family Medicine veröffentlicht.

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